Überstunden und die wahren Kosten

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Seit vielen Jahren erzählt uns der Dienstgeber, dass die Kosten für Überstunden zu hoch sind. Dementsprechend gab und gibt es immer wieder Sparvorgaben, die letztlich dann nie erfüllt werden (können). Woran liegt es aber nun, dass dies nicht gelingt und die Anzahl der Überstunden – zuletzt auf über 5 Millionen – trotzdem weiter ansteigt?

Die Antwort ist simpel: Es lohnt sich doppelt und dreifach für den Dienstgeber, dass wir Überstunden ohne Ende machen!

Der Hintergrund dabei ist, dass es für den Staatshaushalt wesentlich günstiger ist, wenn möglichst wenig Beamte möglichst viele Überstunden (die noch dazu nicht einmal zu 50% zur Auszahlung gelangen) verrichten. Man spart vor allem Ausbildungs- und Ausstattungskosten sowie Kosten für Urlaub und Pension.

Für uns zahlt sich die Sache jedoch schon weniger aus. Denn wir verkaufen dabei nicht nur unsere Freizeit sondern auch einen Teil unserer Lebenszeit an den Dienstgeber, wie aktuelle Zahlen aus dem Bundeskanzleramt belegen.
Natürlich haben wir dank zahlreicher Überstunden einen relativ hohen Lebensstandard, was auch auf den ersten Blick eine äußerst positive Begleiterscheinung im Polizeiberuf ist. Wenn man sich jedoch die Zahlen zum „Personal des Bundes“ ansieht und jene von Exekutivbediensteten mit jenen der Lehrer vergleicht, offenbart sich sofort eine bittere Kehrseite der Medaille:
Nicht genug, dass unser Einkommen in der Pension rapide absinkt, ist auch die Bezugsdauer für die Pension deutlich geringer!

 

Die Fakten:

Das mittlere Jahreseinkommen von Lehrpersonen im Bundesdienst betrug 2014 € 51.143.- (trotz einer Teilbeschäftigtenquote von 31,8%)
Das mittlere Jahreseinkommen von Exekutivbediensteten betrug dank zahlreicher Zulagen (Überstunden) 2014 immerhin € 48.759.- (bei einer Teilbeschäftigtenquote von nur 4,2%)

Wirklich Bemerkenswert sind aber nun zwei Punkte:
1.    Die Durchschnittspension steigt für Lehrpersonen auf € 56.638.- (Anstieg um fast 11%) an, während die
Durchschnittspension für Exekutivbedienstete auf € 36.692.- (Reduktion um fast 25%) sinkt.

2.   10.734 verbeamteten aktiven Lehrpersonen stehen 17.768 pensionierte BeamtInnen (Anstieg um fast zwei
Drittel) gegenüber. 28.358 verbeamteten aktiven Exekutivbediensteten stehen jedoch nur 15.253 pensionierte
Beamtinnen (Reduktion um fast die Hälfte) gegenüber.

(alle Eurobeträge sind Bruttozahlen)

Fazit: Exekutivbedienstete verdienen in der aktiven Zeit annähernd so gut, wie die Bediensteten im Lehrerberuf. In der Pension fallen sie jedoch eklatant zurück und können ihren Ruhestand auch deutlich weniger lang genießen!

Jahrzehntelange Schichtarbeit mit Außendienstbelastung bei sehr wenig Freizeit verringert die Lebenserwartung massiv! (siehe dazu auch unseren Beitrag zu überlangen Arbeitszeiten)

Anmerkung in eigener Sache: Natürlich sind statistische Vergleiche immer mit Vorsicht zu genießen, da sie zu einem gewissen Teil „hinken“. Etwa ist der hohe Anteil an Vertragsbediensteten bei den Lehrpersonen ein verzerrender Faktor. Wenn man aber berücksichtigt, dass Exekutivbedienstete sogar durchschnittlich über 4 Jahre früher in Pension (mit 58 Jahren) gehen als Lehrer (62,2 Jahren) gleichen sich die maßgeblichen Faktoren ziemlich aus. Wir möchten auch betonen, dass es uns nicht darum geht, eine andere Berufsgruppe (Lehrerschaft) zu verunglimpfen. Wir glauben aber, dass die Exekutive in vielerlei Hinsicht benachteiligt wird und die Wahrheit zumutbar ist.

Quelle: Fakten/Publikationen/PJB_2015_barrirefrei

Author: AUF OOE Polizei

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