Personalstand: Talsohle schon erreicht?

Zwischen Schwarzmalerei und Schönfärberei ist oft nur ein schmaler Grat. Objektiv betrachtet belegen die nackten Zahlen jedenfalls, dass bis 2019 mit keiner spürbaren Verbesserung der Personalsituation zu rechnen ist.

So können etwa die für 2017 und 2018 anstehenden Ausmusterungen nicht einmal die zu erwartenden Pensionsabgänge ausgleichen.

Der tatsächlich verfügbare Personalstand droht sogar in absehbarer Zeit unter 3.000 Vollbeschäftigtenäquivalente (= Anzahl der Vollzeitkräfte mit 40 Wochenstunden unter anteiliger Einrechnung der Teilzeitkräfte) zu fallen.

Dazu die aktuellen Zahlen mit April 2017:

Die Landespolizeidirektion OÖ weist derzeit 3.522 Planstellen im exekutiven Bereich auf.

107 Planstellen sind unbesetzt (bleiben 3.415)

194 befinden sich aktuell noch in Ausbildung (bleiben 3.221).

88 Bedienstete sind derzeit karenziert (bleiben 3.133)

Ca. 70 Vollbeschäftigtenäquivalente fehlen infolge Teilzeit (bleiben 3.063)

Weitere Entwicklung:

Von Jänner bis Mai 2017 verzeichnet die LPD OÖ bereits 50 Abgänge (Pensionierungen, Todesfall, Austritt, Ressortwechsel…).

Diesen Abgängen steht aktuell nur ein mit März 2017 ausgemusterter Grundkurs gegenüber. Ein weiterer Kurs (nur 21 VB/S) folgt mit Juni. Es ist also bereits jetzt klar, dass sich der Fehlstand trotz weiterer Ausmusterungen 2017 (dritter und letzter Kurs für 2017 folgt im Herbst) spürbar vergrößern wird.

Zusätzlich ist mit einem weiteren Anstieg bei Karenzen, Teilzeitgesuchen und Pensionsübertritten zu rechnen. Für uns ist daher klar, dass nun alle Anstrengungen unternommen werden müssen, damit wenigstens ab 2020 spürbar mehr Personal auf den Dienststellen zur Verfügung steht:      

  • Erhöhung der Ausbildungskapazitäten
  • Attraktivierung des Polizeiberufs insbesondere für Berufsumsteiger (höheres Ausbildungsentgelt, Anrechnung von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft)
  • Verbesserungen beim Gesundheitsschutz (von besserer Ausrüstung bis hin zur Einhaltung arbeitsrechtlicher Schutzbestimmungen)
  • Zulagen ins Grundgehalt integrieren (um im Krankheitsfall nicht auch noch zum Sozialfall zu werden)
  • Gesetzliche Schutzbestimmungen für die Exekutive (Allein die Erhöhung des Strafrahmens bei tätlichen Angriffen wird angesichts fehlender Verurteilungen nicht reichen)
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen (von bedienerfreundlichen Computerprogrammen bis hin zur Eindämmung von Verwaltungsarbeit und datenschutzrechtlichen Bestimmungen)                                                                                                                                                                                                                                                                                               

Anmerkung: Wenn nun einige unserer Führungskräfte meinen, dass die akute Personalnot (die leider viel zu lange schön geredet wurde) eine „maximale“ Ausnutzung der gegebenen Human-Ressourcen ohne Rücksichtnahme auf persönliche Umstände rechtfertige, erlauben wir uns dazu einen guten Rat:

In einem System, das an seinen Belastungsgrenzen angelangt ist, ist ökonomische Weitsicht und soziale Umsicht gefordert statt blinder Reformwut!

Euer Team der AUF/FEG

 

 

Author: AUF OOE FA 2

Share This Post On